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Klöppelspitze

Tief im Walde steht ein Häuschen, morsch und klein,
In dem Häuschen sitzt du wieder ganz allein,
Klöppelst weiße Spitze und hoffst und glaubst,
Doch die Tage sind alle gleich, alle grau.
Weißer Schnee bedeckt die Pfade in dem Wald.
In dem Häuschen ist es dunkel, trüb und kalt.
Doch du sitzt am Fenster und glaubst und hoffst
Jeden Tag und Nacht, doch es ist umsonst!

Deine Tage sehen alle ähnlich aus:
Jeden Morgen Schneeschippen rund ums Haus,
Jeden Mittag klöppeln und abends nähen,
Und die feine Spitze ist weiß wie Schnee.
Tief im Walde steht ein Häuschen, morsch und klein,
In dem Haus sitzt du, wie immer, ganz allein,
Klöppelst Tag und Nacht, wartest treu auf mich,
Doch es ist umsonst, denn ich komme nicht!

Denn es gibt mich nicht mehr auf der Welt, mein Herz,
Es gibt nur ein paar Papiere und das wär´s,
Oben auf der Mappe steht „streng geheim“
Und von solchen Mappen gibt´s lange Reihen.
Es gibt Bilder, Mottos, alles bunt und laut,
Es gibt Völker und Volksfeinde gibt es auch,
Und es gibt ein Haus, wo du sitzt allein,
Denn auf meiner Mappe steht „streng geheim“…

Die Niederlage

Durch den brennenden Wald, durch das brennende Feld,
Durch die brennenden Dörfer, durch Asche und Staub,
Durch das brennende Land, durch die brennende Welt
Flüchtet unsere Armee – wir geben bald auf.

Die Gefühle sind weg, es bleibt nur noch der Pein.
Es ist unsere Schuld und die Strafe ist hart.
Niemand kommt, uns zu retten, wir kämpfen allein.
Niemand, weder der Gott noch das Staatsoberhaupt.

Jemand möchte mehr Krieg, jemand will mehr Gewalt —
Die Geschichte ist lang und wahrscheinlich zu mild.
Doch das Ziel und der Zweck sind schon völlig egal,
Und egal ist, ob Freund oder Feind dich jetzt killt.

Und wer gibt sich gefangen und wer stirbt als Held,
Ist schon völlig egal, es ergibt keinen Sinn.
Es gibt Flammen und Qualm auf der brennenden Welt,
Doch es gibt keine Sieger und keinen Gewinn.

Nirgendwo

Erfreu dich, Alter, Kopf hoch, komm her!
Der Weg ist frei, Gott sei Dank, das wär´s,
Alles vorbei, wir haben alles bestanden.
Warum sind wir aber so durcheinander?
Nirgendwo zu gehen, nirgendwo willkommen

Na, komm schon, Alter, wir fangen von vorn an,
Wir sind jetzt frei, wir haben gewonnen!
Alles vorbei, wir haben alles ertragen.
Warum sind wir denn so niedergeschlagen?
Nirgendwo zu gehen, nirgendwo willkommen

Doch plötzlich hört man ein lautes Knallen.
Das sind Ikonen, die von der Wand fallen,
Und Jesus ist platt auf dem Boden gelandet.
Oh, lang lebe Russland, lang leb´ uns´re Heimat!
Nirgendwo zu gehen, nirgendwo willkommen

Uns´re Sachen verstauben in Spinden,
Doch wir können die Schlüssel nicht finden.
Lang lebe Russland, lang leb´ uns´re Heimat…
Was ist denn endlich der Sinn uns´rer Freiheit?
Nirgendwo zu gehen, nirgendwo willkommen

Brief

Unser Feuer ist tot, und die Nacht ist tiefschwarz, da der Mond scheint nicht mehr.
Schon drei Tage kein schlaf, ich bin völlig erschöpft und das Denken fällt schwer.
Unser Tod ist ganz nah, denn es ist schon zu spät, und für uns ist jetzt Schluss.
Doch es gibt noch ´ne Sache, die wichtigste Sache, die ich machen muss…

Wir sitzen hier fest, der Kessel schließt sich,
Wir haben verloren, alles ging schief.
Doch noch eine Sache zu machen schaff´ ich:
Ich schreibe dir noch einen Abschiedsbrief.
Lebwohl! Wir konnten gar nichts mehr tun.

Ich hab´ alles versaut, ich bin ganz durcheinander, mein Leben war kurz:
Ich hab´ kaum was gelernt, ich bin manchmal gestiegen, doch meistens gestürzt.
Schneller Tod ohne Schmerzen und Qual oder Irrsinn – das wäre jetzt toll,
Doch es gibt noch ´ne Sache, die wichtigste Sache, die ich machen soll…

Manchmal hilft es, zu weinen, die Tränen erleichtern den Kummer und Pein,
Und deswegen leg´ ich für dich ein Taschentuch in den Briefumschlag rein.
Und mein Brief ist jetzt fertig, die Nacht ist zu Ende, die Sonne geht auf.
Lebe wohl, meine Liebe, die Zeit ist vorbei, und mein Leben ist auch…

Hoffnungslosigkeit

Durch die lausekalte Steppe führt mein langer Weg.
Nicht die Wunden, sondern nur Gedanken tun wir weh,
Nichts kann mehr beschweren als die Hoffnungslosigkeit.
Meine letzte Stunde naht, doch ich bin schon bereit.

Ach du meine arme Marja, ach mein liebes Herz,
Mehrmals hab´ ich dich gerettet aus dem Todesnetz
Bis du endlich mal geflüstert hast, „Ich kann nicht mehr,
Lebewohl, mein Lieber, lass mich hier und treib‘ dein Pferd!“

Alles Mögliche hab´ ich den Kindern auch gegeb´n,
Alles Mögliche getan, um gut und wohl zu leb´n,
Alles beigebracht und auch geholfen habe ich,
Ja, vielleicht war ich mal strikt, doch böse war ich nicht.

Doch es kamen dunkle Zeiten, alles brach zusamm´n,
Meine Welt fiel auseinander, als die Troika kam.
Ich hab´ niemanden gerettet, alles nur verlor´n,
Ach, wofür hab´ ich gelebt, wozu bin ich gebor´n?

In der lausekalten Steppe, tief in dunkler Nacht
Wurde Paul, mein Sohn, von einem Wärter umgebracht.
Ach, und ein paar Tage später im Strafbataillon
Kam ums Leben armer Nicholas, mein zweiter Sohn.

Es ist nicht die Plackerei, die mir am schwersten fällt.
Nicht der Hunger und der Schmerz, denn es gibt auf der Welt
Keine Strafe härter als die Hoffnungslosigkeit.
Gott sei meiner Seele gnädig, ich bin schon bereit.

Die Kesselschlacht

Der Kessel schließt sich bald, wir können einfach keine Zeit verschwenden,
Wir müssen, trotz der angespannten Lage, einen Weg noch finden.
Doch leider lässt sich in der dunklen Nacht kein schwaches Licht erkennen,
Die Waffen helfen nicht, denn uns´re Zeit ist nun vorbei – für immer.

So schnell wie möglich aus dem Kessel auszubrech´n – besagt die Order:
Es koste, was es wolle, Furcht und Zweifel kommen nicht in Frage.
Doch leider kriegt nachher der Überlebende kein Kreuz und Orden;
Den kleinen Sieg vergisst man schneller als die große Niederlage.

Und ich versuch´ zu geh´n und den Geheimdienst übers Ohr zu hauen,
Ich gehe, seid auch bitte meines Wiederkommens nicht gewärtig.
Mein Leben ist nicht länger als ein Buch mit gut bekannter Handlung:
Betrug und Liebe, Gut und Böse, ein präziser Schuss – und fertig…

Lebt wohl

Gott segne dich, dein Haus und Vaterland

Wir war´n verliebt in unser schönes Leben.
Wir haben auch schon vieles ausgegeben
Doch leider werden wir nichts mehr bekomm´n
Es ist zu spät, vergiss´ dein schönes Leben
Der Schwarze Rabe gleitet durch den Nebel
Und seine Beute lässt er nicht mehr los

Die Schießerei ist Tag und Nacht zu hören.
Die gnadenlosen alten Kommandeure
Vergeben die Befehle hier und dort
Und da sitz´ ich in Leinenhäftlingskleidung,
Und grausame Gedanken zu vermeiden
Versuche ich, doch leider geht das nicht

Und morgen früh ist wieder die Vernehmung
Ich werde wieder keine Antwort geben
Die Antwort ist in meinem Schweigen drin
Und noch ein Tag vergeht in gleicher Weise
Wer rettet mich aus diesem Teufelskreise?
Der Engel mit den Schlüsseln will nicht komm´n

Vergangenheit lässt sich so schnell vergessen.
Die einzige Erinnerung von gestern –
Der süßliche Geruch vom nahen Tod
Ich flüchte nicht. Es wird kaum Sinn ergeben.
Schieß´, Kommandeur, zertör´ mein kurzes Leben,
Gott segne dich, dein Haus und Vaterland…

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